Die Gründung der Marie-Baum-Schule

Nachdem jahrelang die hauswirtschaftliche Berufsschule in den Kellerräumen der Wilckens-Schule, der Liselotte-Schule und der Mönchhof-Schule untergebracht war, wurde am 28. Februar 1975 die Marie-Baum-Schule eingeweiht.

Die Einweihungsfeier wurde im Heidelberger Amtsanzeiger wie folgt beschrieben:

Kellerkinder erblickten die Sonne

Offiziell eingeweiht wurde am vergangenen Freitag der Neubau der Marie-Baum-Schule, der hauswirtschaftlichen Berufs- und Berufsfachschule. Nachdem die Rohbauarbeiten am 1. Juni 1972 beendet werden konnten, war bereits zum Schuljahresbeginn 1973/74 in den neuen Räumen der Unterricht aufgenommen worden. Die Herstellungskosten für das Gebäude beliefen sich auf 4 Millionen Mark, für die Einrichtung waren 200 000 Mark notwendig.

Der Leiter des Hochbauamts, Dipl.-Ing. Hans Scherrmann, nannte den Ehrengästen die technischen Daten des neuen Gebäudes und die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten der einzelnen Raume. Im Untergeschoss befinden sich u. a. neben drei Klassenräumen ein Werkraum, eine Waschküche mit Trockenraum, ein Hausarbeits- und Bügelraum und die Schülerbibliothek. Außer den Verwaltungsräumen sind im Erdgeschoss Handarbeitsräume, Theoriesäle und zwei Pflegeräume untergebracht, sowie die überdachte Pausenhalle und die Hausmeisterwohnung. Das Obergeschoss schließlich ist mit vier Lehrküchen und Essräumen bestückt. Vervollständigt wird das Raumprogramm durch Räume für Physik und Chemie. Die gesamte Programmfläche für die Schule beläuft sich nach den Worten Scherrmanns auf 2323 qm. Er überreichte den Hausschlüssel für die Schule, "ein nahrhaftes Exemplar", entstanden aus gebackenem Hefeteig, Oberbürgermeister Zundel, der ihn an die Leiterin der Schule, Frau Oberstudiendirektorin Gertrud Falk, weiterreichte.

In seiner Begrüßungsrede betonte der Oberbürgermeister "Frau Falk habe ihm wegen des Schulneubaus oft die Hölle heiß gemacht". Sie verstehe es, mit ungeheurem Charme ihre Zähigkeit zu verdecken", meinte der Oberbürgermeister unter dem Schmunzeln der Anwesenden. Die Marie-Baum-Schule sei ein weiterer Beweis dafür, wie entschlossen die Stadt Heidelberg in den vergangenen Jahren ihre Schulprobleme angepackt habe. Diese Schule sei nicht das, was man früher geringschätzig mit "DienstmädchenschuIe" abqualifiziert habe. Sie sei nicht nur Teilzeitschule, sondern hier könne auch die volle Fachschulreife erworben werden. Dies sei gerade in der heutigen Zeit des größeren Wettbewerbs wichtig, weil die Qualität der Ausbildung zunehmend eine entscheidende Rolle spiele.

Die Grüße des Oberschulamts Karlsruhe übermittelte Oberregierungsschuldirektorin Roßmann. In das neue Gebäude seien ehemalige "Kellerkinder" eingezogen, die früher in ungenützten Kellerräumen, über das ganze Stadtgebiet verstreut, unterrichtet wurden. Sie gab ihrer Freude darüber Ausdruck, dass die Schule durch den Bezug des Neubaus aus dem Sorgenkatalog des Oberschulamtes gestrichen werden konnte.

Nachbarliche Grüße in Form von zwanzig mit Tulpen gefüllten Vasen überbrachte der Leiter der Gewerbeschule, Oberstudiendirektor Degenhard Burwitz und die Rektorin der Käthe-Kollwitz-Schule, die zur späteren Entlastung des städtischen Etats einen (hoffentlich in Zukunft früchtetragenden) Birnbaumsetzling übergab.

Umrahmt wurde die Feier durch einen Chor von Schülerinnen der Marie-Baum-Schule.