ns1Widersprüchliche Geschichten über die Familie, Schweigen bei Nachfragen. Dies sind nur einige Gründe, weshalb Katrin Raabe anfing über die Vergangenheit ihrer Familie nachzuforschen.

Im Frühjahr 2012 begann sie, gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, mit einer ganz persönlichen Spurensuche. Das Wissen um die NS-Vergangenheit ihrer eigenen Familien, das Aufsuchen der Orte, in denen sich ihre Verwandten während des Zweiten Weltkriegs aufhielten, und das Wissen um deren Beteiligung im NS-Regime, waren die drei Leitideen, die sie bei ihrer Arbeit antrieben.

Ihre Reise führte sie nach Lothringen, in den kleinen Ort Audun-le-Tiche an der französich-luxemburgischen Grenze, nach Esch-sur-Alzette (Luxemburg), nach Luxemburg Stadt, sie führte sie ins Elsass und nach Stuttgart und Leonberg... dabei besuchten sie Museen, Gedenkstätten, Archive und sprachen mit zahlreichen Menschen, die ihnen vieles über die gemeinsame Geschichte erzählen konnten und die die Recherchen mit viel Engagement unterstützten.

Über die Reise und die erschreckenden Ergebnisse ihrer jahrelangen Recherche  berichtete Katrin Raabe in zwei unserer 12ten Klassen. Lebendig, hautnah, mit vielen persönlichen Geschichten und Originalquellen, erzählte sie, dass ihr Großonkel, Friedrich Schmidt, nicht nur einer von vielen Mitläufern in der NS-Zeit war, sondern ein hoher Gestapo-Beamter, der in Luxemburg viel Unheil über die Menschen brachte. Folter, Deportierung und Erschießung sind nur einige Verbrechen, die er zu verschulden hatte. Sehr interessant war auch, wie es nach dem Krieg mit ihm weiterging: Er wurde in Rastatt von einem französischen Militärgericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt, aber er tauchte für 10 Jahre unter. Danach zog er wieder in seinen Heimatort und arbeitet bis zu seinem Tode als Büroangestellter.

Ein Staatsanwalt aus Saarbrücken untersuchte ab 1958 einige Jahre den Mord an 7 französischen Widerstandsmitgliedern, die im Herbst 1944 in einem kleinen Ort in Rheinland-Pfalz erschossen wurde. Hauptverdächtiger: Friedrich Schmidt. Die letzte Seite der 7 Aktenordner, die sie erhielt, erstaunte nicht nur sie: Das Verfahren wurde in allen Punkten eingestellt. Dort heißt es unter anderem, dass die Angeschuldigten „von den meisten ihrer als Zeugen vernommenen Kollegen als charakterlich einwandfreie Persönlichkeiten geschildert werden, denen etwas derartiges nicht zuzutrauen sei.“

Katrin Raabe möchte weiterforschen - erst vor kurzem erhielt sie neue Informationen über ihren Großonkel.

Wir danken Frau Katrin Raabe sehr für diesen engagierten Vortrag in unseren Klassen, welcher die Schüler und Schülerinnen sichtlich beeindruckt hat.

2014 hat Katrin Raabe den Verein „NS-Familien-Geschichte: hinterfragen - erforschen - aufklären e.V.“ mitgegründet, der u.a. der Wanderausstellung „Gestapo-Terror in Luxemburg - Verwaltung, Überwachung, Unterdrückung“ im Musée national de la Résistance in Luxemburg beteiligt ist. Ausführliche Informationen sind auf der Homepage des Vereins zu finden.

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