Blutdruckmessung2RR 120/80 – was bedeutet das eigentlich?

Scipione Riva-Rocci: Niemand spricht den Namen des italienischen Kinderarztes so melodisch und perfekt aus wie Mariateresa, Schülerin der 12/3 des Gesundheitswissenschaftlichen Gymnasiums an der Marie-Baum-Schule in Heidelberg. Riva-Rocci entwickelte Ende des 19. Jahrhunderts das heute noch übliche Verfahren zur Blutdruckmessung. Dabei handelt es sich um eine einfache Apparatur mit einer aufblasbaren Oberarmmanschette und einem Manometer. So löste die indirekte Blutdruckmessung die bis dahin gebräuchliche direkte blutige und infektionsanfällige Messung ab – eine bahnbrechende Weiterentwicklung in der Medizin.

In einem Projekt im Profilfach erarbeiteten sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse 12/3 im Schuljahr 2013/14 Theorie und Praxis der Blutdruckmessung nach Riva-Rocci. Alles spielt sich an der Arteria brachialis ab, einer Arterie im Oberarm, die durch das Anlegen und Aufblasen der Oberarmmanschette zunächst zusammengedrückt wird. Dadurch kommt der Blutfluss in ihr zum Erliegen. „Da es sich um eine Arterie handelt, fließt in ihr das Blut vom Herzen weg in den Arm hinein. Bei der Blutdruckmessung können wir Geräusche in ihr messen, die das durchfließende Blut aufgrund des Pulstaktes verursacht “, wissen die Schüler zu berichten. In einer Zuordnungsaufgabe haben sie sich die Theorie der Blutdruckmessung erarbeitet und erproben sie nun in praxi. Langsam wird der Druck in der Oberarmmanschette durch Ablassen der Luft verringert und die sogenannten Korotkoff-Töne werden hörbar. „Der Druck, den ich beim ersten hörbaren Ton ablese, entspricht dem systolischen Blutdruckwert (idealerweise 120 mm Hg), der letzte hörbare Ton dem diastolischen Wert (80 mm Hg)“, meint Philipp, der seinem Mitschüler David die Oberarmmanschette professionell angelegt hat und nun mit dem Stethoskop zu Gange ist.

Das Projekt wurde im Rahmen der Bildungsplaneinheit „Herz-Kreislauf – leistungsfähig bleiben“ abgehalten und bildete gemeinsam mit der Erarbeitung der anatomischen Strukturen und physiologischen Eigenschaften des Kardiovaskulären Systems die Basis für die nun folgenden pathophysiologischen Veränderungen, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen zugrundeliegen. Störungen in der Regulation des Blutdrucks, die das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System betreffen, werden ebenso im Detail erörtert wie Folgeerkrankungen erhöhten Blutdrucks (Arteriosklerose, koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, etc.). Durch die anschließende Auseinandersetzung mit Möglichkeiten zur Prävention und Gesundheitsförderung werden die Schülerinnen und Schüler des Gesundheitswissenschaftlichen Gymnasiums in die Lage versetzt, ihren eigenen Lebensstil gesundheitserhaltend zu reflektieren.

RR – das ist jetzt auch klar, steht für die Abkürzung des arteriellen Blutdrucks zu Ehren von Herrn Riva-Rocci und 120/80 für den bei einem gesunden jungen Erwachsenen gemessenen idealen systolischen und diastolischen Blutdruckwert!

Dr. Karin Ackermann